Einweihung am 9. April 2019 in der Türkenstraße 94

Gedenktafel für Georg Elser in München

Am 74. Todestag Georg Elsers wurde am Wohnhaus in der Türkenstraße 94 eine Gedenktafel angebracht. Hier wohnte der Bürgerbräuattentäter vom 1. September 1939 bis zu seinem fehlgeschlagenen Bombenanschlag auf die NS-Führung am 8. November 1939. Am 9. April 1945 wurde er kurz vor Kriegsende im KZ Dachau auf höheren Befehl erschossen.

Bürgermeisterin Christine Strobl und Hella Schlumberger (rechts), die Initiatorin der Tafel, bei der Einweihung. Foto: Daniel von Loeper in der Abendzeitung vom 9.4.2019.

Das sogenannte "Erinnerungszeichen" misst 12 × 72 Zentimeter. Links über dem gerasterten Porträtfoto Elsers sind Datum und Ort seiner Geburt, seiner Verhaftung und seiner Hinrichtung eingraviert.

Die Initiatorin der Tafel, Hella Schlumberger, versuchte vergeblich, auch noch den Begriff "Bürgerbräu-Attentäter" mit unterzubringen. Doch das Stadtarchiv erklärte, dass auf den Münchner "Erinnerungszeichen", von denen es inzwischen achtzehn gibt, durch Stadtratsbeschluss generell keine "keine Opfergruppenzuweisungen" stehen dürfen. Die Hintergründe der jeweiligen Person könne jeder im Internet recherchieren.

Die Elser-Gedenktafel, die bewusst verschweigt, warum dieser Mann verhaftet wurde und wie er ums Leben kam, gehört in den Kontext eines schon seit Jahren in München schwelenden Streits um die sogenannten Stolpersteine.

Gunter Demnigs Stolpersteine

Gunter Demnig bei der Verlegung von vier Stolpersteinen in Köln.

Zum Vergrößern klicken Stolperstein für Georg Elser in Hermaringen. Einweihung

Charlotte Knobloch

Die Münchner "Erinnerungszeichen" sind letztlich eine Art Imitat der Stolpersteine von Gunter Demnig. Der Künstler hat seit 1992 über siebzigtausend dieser Steine angefertigt, die in über tausend Kommunen in 24 europäischen Staaten an Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Die Stolpersteine haben die Ausmaße eines normalen Pflastersteins, die Inschrift ist entsprechend klein. Wer die Inschrift lesen will, muss sich verbeugen – vor dem Opfer und seiner Geschichte. Diese kleinen Denkmäler sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

In Hermaringen erinnert an der Stelle, wo früher Georg Elsers Geburtshaus stand, ein Stolperstein an den Widerstandskämpfer.

Jüdische Gemeinde gegen Stolpersteine

Nur in einer Stadt sind diese Stolpersteine verboten: In München.

Im Jahre 2015 beschloss eine Mehrheit im Münchner Stadtrat dieses rechtlich und politisch umstrittene Verbot und folgte damit dem Wunsch der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), der mit über neuntausend Mitgliedern nach Berlin zweitgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands.

Deren Präsidentin Charlotte Knobloch findet es "unerträglich", die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und auf denen "herumgetreten" werde.

Trotz dieses umstrittenen Verbots hat Gunter Demnig in München rund hundert Stolpersteine verlegt, allerdings nur auf Privatgrundstücken. Der größte Teil dieser Steine ist ermordeten Juden gewidmet.

Alternative der Stadt München

Die offizielle Alternative der Stadt Münchens sind neuerdings "Erinnerungszeichen" in Form von 1,86 Meter hohen Edelstahl-Stelen sowie von Wandtafeln aus gebürstetem Stahl wie die in der Türkenstraße 94 zur Erinnerung an Elser.

Das Konzept wurde 2017 vom Münchner Designer Kilian Stauss in Anlehnung an Demnigs Stolpersteine entwickelt. Die Projektleitung für das "dezentrale und individuelle Gedenken an die Todesopfer des NS-Regimes in München" liegt beim Münchner Stadtarchiv.

Im Juli 2018 weihte Oberbürgermeister Dieter Reiter das erste dieser Denkmale in München ein. Seitdem wurden bis April 2019 achtzehn solcher Zeichen für insgesamt 41 Personen in München angebracht. Einen Antrag kann jedermann stellen. Sofern die Initiatoren nicht in voller Höhe für die Kosten aufkommen, übernimmt die Stadt München die Restfinanzierung.

Georg Elser in München

Georg Elser: Denkmale und Gedenktafeln


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