Georg Elser: Sonderbriefmarke 2003

Mit einer Auflage von dreißig Millionen Exemplaren brachte die Deutsche Post AG am 16. Januar 2003 anlässlich des 100. Geburtstags Georg Elsers eine Sonderbriefmarke zu Ehren des Widerstandskämpfers heraus.

Postkartenaktion

Nachdem bei den Bremer Georg-Elser-Tagen 1998 die Idee einer Sonderbriefmarke für Georg Elser aufgekommen war, startete die Georg-Elser-Initiative Bremen eine Postkartenaktion. Unterstützt wurde sie von der Landeszentrale für politische Bildung in Bremen, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und der Georg Elser Gedenkstätte Königsbronn.

Für die Herausgabe von Briefmarken ist das Bundesministerium der Finanzen (BMF) zuständig. Daher richtete die Bremer Georg-Elser-Initiative an den damaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und den Programmbeirat des BMF zur Auswahl der Themen für Sonderpostwertzeichen folgende Bitte:

Sehr geehrter Herr Minister!

Johann Georg Elser, ein Mensch mit ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit und Humanität, durchschaute schon früh die verbrecherischen Absichten der Nationalsozialisten. Am 8. November 1939 wagte er, völlig auf sich allein gestellt, im Münchner Bürgerbräukeller den ersten ernsthaften Anschlag auf den Diktator. Das Attentat misslang, er wurde gefasst. „Ich wollte noch größeres Blutvergießen verhindern“, sagte er im Verhör aus. Am Ende des von ihm vorhergesehenen Schreckens wird er am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet.

Wir bitten Sie, anlässlich des 100. Geburtstages von Georg Elser am 4. Januar 2003 mit einer Sondermarke an diesen mutigen Menschen zu erinnern und seine Tat zu würdigen. Georg Elser hat es verdient, 39 Jahre nach dem Sondermarken-Satz „Dem Deutschen Widerstand“, der ihn nicht berücksichtigte, endlich durch eine eigene Briefmarke weltweit geehrt zu werden.

Über tausend Postkarten mit dieser Bitte gingen beim BMF ein, darunter auch von Bundestagsabgeordneten der SPD, der CDU und der Grünen. Neben der damaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) setzte sich auch der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) erfolgreich für die Sonderbriefmarke ein.

Nach Auskunft des BMF hatte es zuvor noch nie eine Postkartenaktion für eine Briefmarke gegeben. Die Entscheidung für die Elser-Sondermarke dürfte hart umkämpft gewesen sein: Aus den jährlich rund 1.000 Vorschlägen können immer nur etwa 35 Motive ausgewählt werden.

Künstlerischer Wettbewerb

Ursprünglicher Entwurf
Nachdem der Programmbeirat dem Vorschlag zugestimmt hatte, veranstaltete der Kunstbeirat des BMF einen Wettbewerb um die Sondermarke, an dem sich zahlreiche namhafte Briefmarkengestalter beteiligten. Als Sieger wurde ein Entwurf von Prof. Ernst Jünger und Lorli Jünger aus München ausgewählt.

Für diesen Entwurf wurde allerdings ein von der Gestapo beim Verhör von Elser in Berlin aufgenommenes Foto verwendet, das am 22. November 1939 deutschlandweit in der Presse veröffentlicht worden war.

Ursprünglichen Entwurf in letzter Minute geändert

Leonhard Elser, der damals noch in Königsbronn lebende jüngere Bruder Georg Elsers, wollte verhindern, dass dieses von der Gestapo angefertigte Foto, für ihn ein „Verbrecher-Konterfei“, auf der Briefmarke verewigt wurde.

Daraufhin schaltete sich der Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim ein. Er erreichte in letzter Minute, dass die Wettbewerbssieger Prof. Ernst Jünger und Lorli Jünger ihren Entwurf änderten und für die Briefmarke ein ansprechenderes Foto Georg Elsers verwendeten.

Die Georg-Elser-Sonderbriefmarke war sowohl einzeln als auch als Zehnerbogen erhältlich.

Entwurf:Prof. Ernst Jünger und Lorli Jünger, München
Motiv: Porträtfoto von Georg Elser
Wert: 0,55 EUR (Standardbrief)
Druck: Mehrfarben-Offsetdruck der Schwann-Bagel GmbH, Mönchengladbach
Größe: 35,0 mm x 35,0 mm
Papier: Gestrichenes weißes fluoreszierendes Postwertzeichenpapier DP 2
Ausgabetag:   16.01.2003

Das angebliche Elser-Zitat auf der Briefmarke „Ich hab den Krieg verhindern wollen“ stammt nicht von ihm. Es wurde ihm dort in den Mund gelegt und ist zudem historisch unhaltbar: Als Elser am 8. November 1939 sein Attentat verübte, war der Zweite Weltkrieg bereits seit mehr als zwei Monaten im Gange. – Dennoch wird diese unzutreffende Aussage seither immer wieder aufgegriffen und weiterverbreitet.

In Bremen wurde im Bürgerzentrum Neue Vahr e.V., Berliner Freiheit 1, ein Sonderpostamt eingerichtet mit einem Sonderstempel und Ersttagspublikationen. Auch in Königsbronn gab es einen Sonderstempel.

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