Hermaringen - Geburtsort Elsers

Hermaringen
Luftaufnahme von Hermaringen. Foto: hermaringen.de

Hermaringen liegt in Baden-Württemberg und ist mit 2.165 Einwohnern (Stand 2013) die kleinste selbständige Gemeinde im Landkreis Heidenheim. Georg Elser ist der berühmteste Sohn dieser Gemeinde.

Johann Georg Elser (Rufname "Georg" bzw. "Schorsch") wurde am 4. Januar 1903 in Hermaringen als ältester Sohn der Maria Müller unehelich geboren. Sein Vater war Ludwig Elser aus Königsbronn, der damals als Fuhrmann einer Mühle in Hermaringen arbeitete.

Georg Elser verbrachte in Hermaringen sein erstes Lebensjahr. Nach der Hochzeit seiner Eltern lebte er bis 1925 in Königsbronn. Er kam nur noch selten nach Hermaringen, wenn er seine Großeltern mütterlicherseits besuchte.

Erste Georg-Elser-Straße in Deutschland

Nach ihm ist seit 1984 die Georg-Elser-Straße in Hermaringen benannt. Dies war eine Pioniertat: Fast alle der inzwischen weit über fünfzig Georg-Elser-Straßen und -Plätze wurden erst deutlich später im 21. Jahrhundert geschaffen.

1987 nahm Rolf Hochhuth in einem Gedicht über Georg Elser Bezug auf diese Straße in Hermaringen:

"Nach drei Jahrzehnten nennt sein Heimatdorf
nach Johann Georg Elser eine Straße
– doch keine deutsche Stadt, nicht eine.
Dies Volk liebt zwar die Freiheit – doch nicht jene,
die starben, um es zu befreien."

Geburtshaus existiert nicht mehr

Das Geburtshaus Elsers stand in der Karlstraße 29. Es wurde Mitte der 1950er Jahre abgerissen. Heute steht dort eine Tankstelle, die nicht mehr im Betrieb, aber an dem typischen Tankstellendach zu erkennen ist.


In der Karlstraße 29 befand sich Elsers Geburtshaus. Heute steht dort eine stillgelegte Tankstelle. Auf diesem Foto von Anfang 2009 ist der "Stolperstein" noch nicht im Gehweg eingelassen.

Stolperstein

Am 3. Oktober 2009 wurde an der Karlstraße 29 ein "Stolperstein" des in Köln lebenden Künstlers Gunter Demnig in den Asphalt des Gehwegs eingelassen.

Der "Stolperstein" hat die Ausmaße eines normalen Pflastersteins, die Inschrift ist entsprechend klein. Wer sie lesen will, muss sich verbeugen - vor dem Opfer und seiner Geschichte.

Elser und Hermaringen

Im Berliner Verhörprotokoll kommt Georg Elser über seine Bezüge zu Hermaringen persönlich zu Wort:

Ich wurde am 4.1.1903 in Hermaringen als der außereheliche Sohn der Maria Müller geboren, die seinerzeit bei ihren Eltern, die dort eine Wagnerei und einen landwirtschaftlichen Betrieb innehatten, wohnhaft war. Ein Jahr später hat meine Mutter den Kindsvater Ludwig Elser geheiratet. Durch diese Eheschließung wurde ich legitimiert. Mein Vater Ludwig Elser war in Königsbronn wohnhaft. Er hatte dort ein eigenes Anwesen und hat sich ferner durch Holzfahren und landwirtschaftliche Arbeiten seinen Lebensunterhalt verdient.

Nach der Eheschließung hat meine Mutter bei ihrem Ehemann in Königsbronn gewohnt, ich selbst bin mit meiner Mutter ebenfalls dorthin übersiedelt. In Königsbronn war ich ununterbrochen bis zum 15.3.1925 wohnhaft. Meine ganzen Jugendjahre habe ich im Elternhaus verlebt. Bei meinen Großeltern mütterlicherseits in Hermaringen war ich vielleicht im Jahr einmal mit meinen Eltern auf Besuch. [...]

Meine Mutter war lediglich einmal, es dürfte dies im Jahre 1910 gewesen sein, eine Woche von Königsbronn weg. Sie hatte Königsbronn verlassen, nachdem sie von meinem Vater wieder einmal geschlagen worden war. Der Anlass hierzu ist mir nicht mehr erinnerlich. Sie hat sich während dieser Woche mit uns Kindern in Hermaringen bei ihren Eltern aufgehalten. Eine Schwester meines Vaters veranlasste meine Mutter wieder zur Rückkehr nach Königsbronn. Sonst ist mir nicht bekannt, dass meine Mutter Königsbronn verlassen hat, mit Ausnahme von Besuchen, die sie bei ihren Eltern abgestattet hat.

   Wagnerei
Blick in eine Wagnerei

Die Wagnerei der Großeltern mütterlicherseits wurde wahrscheinlich bereits vor 1945 eingestellt.

Ein Wagner ist ein Handwerker, der Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz herstellt. Die Bezeichnung des Berufes ist regional unterschiedlich, wobei Stellmacher eher im Norden, im Süden dagegen Wagner verwendet wird. Heute gehört der Wagner zu den aussterbenden Berufen, führt aber in bestimmten handwerklich ausgerichteten Betrieben noch ein Nischendasein.

Maria Elser geb. Müller (*1879, †1960)

   Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin
Maria Elser um 1938/39

Georg Elsers Mutter Maria Müller wurde am 29. Dezember 1879 in Heidelberg unehelich geboren. Ihre Mutter Karolina Müller verließ sie kurz nach ihrer Geburt.

Ihr leiblicher Vater Johann Georg Lindenmaier brachte die kleine Tochter zunächst in ein Kinderheim. Als er später in eine Wagnerei in Hermaringen einheiratete, nahm er sie zu sich und zog sie mit seiner Frau auf.

Maria Müller arbeitete bis zur Heirat im elterlichen Betrieb in Hermaringen. 1902 lernte sie den Königsbronner Ludwig Elser (*1872, †1942), kennen, der damals als Fuhrmann einer Mühle in Hermaringen arbeitete. Im November 1903 heiratete sie ihn. Der elf Monate alte gemeinsame Sohn Georg wurde als eheliches Kind anerkannt.

Ludwig Elser betrieb inzwischen in Königsbronn ein Fuhrunternehmen und einen Holzhandel. Anfang 1904 zog die Mutter mit ihrem Sohn zum Vater nach Königsbronn um. Durch eine Erbschaft kam die Familie in Königsbronn später an einen landwirtschaftlichen Betrieb, um den sich die Mutter mit ihren Kindern kümmern musste.

Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor: Georg (*1903, †1945), Friederike (*1904, †) , Maria (*1906, †) , Ludwig (*1909, †1915), Anna (*1910, †) , Leonhard (*1913, †2004).

Nach einem Ehestreit suchte sie, als Georg ungefähr sieben Jahre alt war, mitsamt ihren damals drei Kindern bei ihren Eltern in Hermaringen für eine Woche Zuflucht.

Nach dem Bürgerbräu-Attentat musste Maria Elser zusammen mit anderen Familienangehörigen nach Berlin, wo sie von der Gestapo verhört wurde. Ihr Mann starb 1942.

Nach dem Krieg hatte sie einen Schriftverkehr mit Martin Niemöller, der behauptete, Ihr Sohn sei ein SS-Unterscharführer gewesen. Maria Elser starb 1960 im Alter von 80 Jahren.

Projektgruppe "Georg-Elser-Denkmal in Hermaringen"

Güssenhalle vor der Sanierung. Foto: hermaringen.de.

Im November 2014 wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich für ein Elser-Denkmal in Hermaringen einsetzt.

In diesem Zusammenhang wurde im Oktober 2015 die Idee verworfen, die nach den Güssen benannte Hermaringer Mehrzweckhalle in "Georg-Elser-Halle" umzubenennen. Die 1975 erbaute Güssenhalle wird bis Dezember 2015 generalsaniert.

Ruine der Güssenburg. Foto: Wikipedia.

Die Güssen

Die Herren von Güssenberg, ursprünglich eine staufische Ministerialenfamilie, prägten im Mittelalter dreihundert Jahre lang die Geschicke des Ortes. Dieses weit verzweigte Adelsgeschlecht wird unter dem Begriff "Güssen" zusammengefasst.

Die Ruine der Güssenburg steht auf dem Schlossberg über Hermaringen. Ein Förderverein sicherte 1981 bis 1995 die mittelalterlichen Ruinenreste und stoppte den weiteren Verfall. Die Güssenburg ist das Wahrzeichen von Hermaringen.

Mit seiner Entscheidung gegen eine Umbenennung der Güssenhalle hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit die Erbauer der Güssenburg als historisch relevanter und identitätsstiftender für Hermaringen eingestuft, als den gescheiterten Hitler-Attentäter, der hier sein erstes Lebensjahr verbracht hat.

Elser-Denkmal: Hermaringer gründen Projektgruppe (3. November 2014)

Ist die Zeit reif für eine "Georg-Elser-Halle"? (12. Juni 2015)

Güssenhalle soll "Georg-Elser-Halle" werden (25. September 2015)

Nix da Elser: Güssenhalle behält ihren Namen (23. Oktober 2015)


Georg-Elser-Landkarte

Georg-Elser-Straßen und -Plätze

Georg-Elser-Denkmale und -Gedenktafeln

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